Hechtsuppen-Phobie
September 2, 2007 — bigi“Es zieht wie Hechtsuppe!”
Besonders in Bussen und Bahnen scheint es eine Art Sport zu sein, sofort nach dem losfahren alle Fenster zu schließen, um nicht im “Zug” zu sitzen (selbst bei 30 C°). Im Auto müssen alle Fenster geschlossen sein, damit es nicht “zieht” und selbst im Hochsommer werden die Fenster in den Wohnungen höchstens an einer Seite geöffnet, damit kein Lüftchen sich verirren kann…
Dies alles geschieht nicht, um die Frisur zu retten oder das zuknallen von Türen zu verhindern, sondern aus Angst vor Krankheiten! Mal sehen, was man alles vom “Zug” kriegen kann:
Halsschmerzen, Nackensteifheit, Schnupfen, Entzündungen in den Gelenken, Bindehautentzündung………. uiuiui
Nun habe ich mich bezüglich des Zuges mal schlau gemacht: Es ist so, dass, wenn wir schwitzen, die Haut durch Zugluft auskühlt. Dies bewirkt, dass die Schleimhäute, die als Schutzschild dem Imunsystem dienen, austrocknen und wir so anfälliger sind für allerlei Viren. Die Sache mit den Gelenken erklärt sich eigentlich von allein: Wer eh schon Probleme mit dem ein oder anderen Gelenk hat, kriegt noch mehr Probleme, wenns demselben kalt wird. Dasselbe wird wohl auch mit dem Immunsystem so sein: isset nich ok, werden wir beim kleinsten Luftzug krank.
Falls sich jemand fragt: Wat will die gezz damit sagen?
Ich bin nicht unbedingt ein “Zugluftfan”, aber ich mag Wind und Luft! Und ich habe nie verstanden, was Wind mit Hechtsuppe zu tun hat und warum immer jeder aufspringt, wenn es “zieht”, um dem schönen kühlenden Lüftchen den Garaus zu machen.
Wenn ich in südliche Gefilde fahre, scheint Zugluft nicht wirklich ein Thema zu sein. Die Leute sitzen lustig im Caprio oder haben alle Scheiben runtergekurbelt, die Fenster in den Wohnungen sind ab Sonnenuntergang alle geöffnet, um Frischluft einzulassen. Selbst in Italien ist keine sonst so besorgte Mama beunruhigt, wenn die Sprösslinge ihren Kopf in den Fahrtwind halten und die Omas und Opas sitzen gelassen an der Hausecke und lassen sich den kühlen Abendwind um die Nase wehen.
Ist also die Hechtsuppen-Phobie der Deutschen ein durch Erzählungen weitergegebenes Mythos? Oder ist da wirklich was dran, dass Zugluft krank macht? Oder sind wir einfach nur “Weicheier”, die bei jedem bisschen Zug sofort krank werden?
Ich glaube, es ist das erste und das letzte
1. Die Hechtsuppe kenn ich schon, seit ich klein bin. Meine Mama war und ist bis heute zum Glück recht schmerzfrei, was Zug angeht. Mit ihr kann man so richtig schön ein Stündchen auf zwei mit geöffneten Fenstern im Sommer Auto fahren. Aber wir kennen alle diesen Spruch/diese Sprüche: “Mach Fenster zu, zieht!” “Weeeeernääääär mach die Tür zu, et ziiiieht!” Als Kind hab ich nie verstanden, was damit gemeint ist. Nur den Spruch: “Es zieht!” “Dreh dich um, dann drückts!” fand ich immer lustig.
Und 2.: Wir bewegen uns zu selten an der frischen Luft! Und wenn dann mal ein Lüftchen um die Ecke zieht, weiß unser Immunsystem gar nix damit anzufangen. Denkt: “Huch is kalt, zieh ich ma die Gefäße zusammen…!” Kommt ein Virus vorbei und denkt: “Ui klasse, die Schleimhäute auf Sparflamme, da zieh ich mal ein….” Und schon is der Schnupfen da.
Jetzt noch die Frage: Was hat Hechtsuppe mit Zug zu tun?
“Wie eine Windsbraut” heißt die Übersetzung von “hech supha” aus dem Jiddischen. Es könnte also sein, dass es daher kommt. Oder tatsächlich von Fischsuppe, die lange ziehen muss??
Ich finde, Gelassenheit sollte sich breit machen in Bezug auf den Zug. Wenn mein Gefühl mir sacht: “Mönsch Bigi, anner Schulter wirds aber langsam frisch!” dann hör ich drauf und mach dat Fenster zu.
Und: ein bisschen mehr nach den Südländern gucken: frische Luft, so oft es geht, das Wetter (ob schlecht oder gut) genießen, Gemüse, Obst, Olivenöl, Schafkäse und die o.g. Gelassenheit….
Kann es sein, dass z.B. Hundebesitzer und “Draußensportmacher” kein Problem mit Hechtsuppe haben?

September 3, 2007 um 7:11 Uhr nachmittags
Bigi, das Hundebesitzer kein Problem mit “Hechtsuppe” haben, kann ich dir so noch nicht unterschreiben, aber unser Baby ist ja auch noch klein und Tinschn mußte noch keinen Herbst/Winter Gassigehen…Um ehrlich zu sein, werden sich die Leute in selbigen Jahreszeiten wahrscheinlich fragen, ob Sibirien jetzt näher annen Osten ranrutscht, so wie ich dann aussehen werde. Ich bin Kaltluft gegenüber sehr sensibel aufgestellt, welches ich allerdings immer schön auf mein Sternzeichen schiebe, Fische-Geborene kriegen nun mal schnell n kalten Oarsch und frierns sich die Hacken ab. Allerdings hab ich an den doch(sagen wir, sich häufenden) kühlen Sommertagen bereits festgestellt, weht dir der Wind beim Hundeausführen umme Nase, machts den Kopp frei. Wirklich wahr! Weisse Bescheid! Gisela!
September 4, 2007 um 5:46 Uhr vormittags
Herrlich Bigi, herrlich! Ich kann Dir nur in allen Punkten zustimmen!
Bei mir hier is den ganzen Tag lang das Fenster offen - egal ob die Sonne scheint oder ob’s regnet. Frischluft muss sein! Das halten wir auch zu Hause so. Gut, wir lassen Hannah jetzt nicht bei Regenwetter und offenem Fenster nackig rumkrabbeln…
Aber wir lassen fast immer irgendwo Frischluft rein. Außerdem sind wir tag-täglich an der frischen Luft. Das Wetter (das auf der Alb schon auch mal rauh und vor allem sehr oft windig ist) spielt dabei keine Rolle. Es gibt kein unpassendes Wetter, nur unpassende Kleidung!
Ich kann das nur unterstreichen: Wer wegen eine Lüftchen krank wird oder gleich unterkühlt, der sollte dringend sein Immunsystem abhärten… und das sag ich als jemand, der nun wirklich empfindliche Schleimhäutchen hat, seit er Allergien hat.
September 4, 2007 um 12:28 Uhr nachmittags
@Tinschen: Das mein ich ja: Ihr Hundebesitzer seid besser gewappnet als wir mit ohne
Denke, dass sich, sobald du den ersten Hundewinter überstanden hast, auch das “Ichhabkaltefüßesyndrom” bessern wird *grins*
@Shabba *dirdiehandreich*
September 9, 2007 um 6:29 Uhr nachmittags
Bigi, Deine Ausführung über die Hechtsuppe ist echt spitzenmässig

Solltest mal ein Referat darüber halten….
Kann mich dem nur anschließen und habs auch schon bei mir selbst bemerkt… wenn ich mich öfter mal an der frischen Luft bewege, werd ich in der Regel auch seltener krank.
Gegen die Hechtsuppe von Klimaanlagen bin ich allerdings noch nicht resistent.